Beim Notfall sind Rettungsdienst und Notarzt nicht sofort vor Ort. Bis zum Eintreffen des Fachpersonals kann viel wichtige Zeit vergehen, in der entscheidene Maßnahmen die späteren Heilungschancen, manchmal auch die Überlebenswahrscheinlichkeit, sichern oder erhöhen können. 

Gerade aber auch, wenn man alleine in Not ist, ist es erleichternd, wenn frühstmöglich ein erfahrener Helfer anwesend ist. Genau in diesen Zeitrahmen, in der Fachsprache therapieloses Intervall, greift das Helfer vor Ort-Prinzip: Ein oder mehrere Sanitäter unseres Ortsvereins werden umgehend nach dem Eingehen des Notrufs von der Leiststelle mit alarmiert, fahren direkt zum Einsatzort und leisten dort so lange kompetente Hilfe, bis der Rettungsdienst oder der Notarzt eintrifft und die Behandlung des Betroffenen übernimmt.

  • Erste Rückmeldung und Sicherung: Der First Responder (Helfer vor Ort) trifft als Erster am Einsatzort ein und kann der Rettungsleitstelle schnellstmöglich eine Rückmeldung geben. Daneben kann der Helfer den Unglücksort absichern, indem er ein Warndreieck aufstellt oder die Blaulichtanlage einschaltet. Auch kann er den erwarteten Rettungsdienst einweisen.
  • Zeit überbrücken: Die Zeit ist ein entscheidender Faktor in der Notfallmedizin: Erhält das Gehirn eine bestimmte Zeit lang keinen Sauerstoff mehr, sterben die Gehirnzellen ab, gibt es eine stark blutende Wunde, kann der Körper innerhalb kurzer Zeit so viel Blut verlieren, dass der Betroffene verblutet. Die Helfer vor Ort gelangen aufgrund kürzerer Anfahrtswege meist in kurzer Zeit zum Einsatzort – noch vor Rettungsdienst oder Notarzt, und können so bereits Maßnahmen einleiten.
  • Vorbereitung: Nicht nur bei der Behandlung selbst kann der Helfer vor Ort Zeit gutmachen, sondern auch durch Vorbereitungen: Der Helfer vor Ort kann die Materialien für das Legen eines venösen Zugangs oder eines Tubus bereits so vorbereiten, dass Rettungsdienst oder Notarzt direkt mit der Arbeit beginnen können. Daneben lässt sich auch Zeit einsparen, wenn der Helfer vor Ort das Rettungsdienstpersonal oder weitere Einsatzkräfte wie Polizei und Feuerwehr unterstützt – nicht nur bei der medizinischen Behandlung, sondern auch bei einer Vermisstensuche oder dem Aufräumen.
  • Nachsorge für Beteiligte: Der Helfer vor Ort fährt im Regelfall nicht mit dem Rettungsdienst in die Klinik, sondern verbleibt am Einsatzort und fährt von da zurück. Das bedeutet, Angehörige und Zeugen des Notfalls haben noch die Möglichkeit, mit einem erfahrenen Helfer über das Erlebte zu sprechen. Wird fachliche Hilfe benötigt, etwa durch einen Seelsorger oder Psychologen, kann der Helfer vor Ort weitere Hilfe organisieren.

Die Helfer vor Ort unseres Ortsvereins arbeiten in Schichten. Um eine Schicht zu übernehmen, kann sich jeder Helfer im Dienstplan eintragen. Jeder Einsatz in einer Schicht wird von dem diensthabenden Helfer vor Ort mit einem eigens dazu entworfenem Einsatzprotokoll festgehalten, welches eine bestimmte Zeit lang sicher verwahrt wird. Eine gute Dokumentation ist wichtig: Zum einen ist es für uns ein Qualitätskriterium, zum anderen aber auch lernen wir uns damit zu verbessern, können Schwachstellen finden und ausbessern und bei späteren Nachfragen Unsicherheiten klären.

Die Helfer vor Ort arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. Das bedeutet allerdings auch, dass Ausgaben, die im Rahmen eines Einsatzes anfallen, bei der Krankenkasse nicht geltend gemacht werden können. Kurzum: Wir bleiben auf unseren Kosten sitzen. Hauptsächlich finanzieren sich die Helfer vor Ort durch Spenden von Privatpersonen, Firmen und Unternehmen. Unterstützen Sie uns, damit wir weiter helfen können!